Letztens in der Yogastunde hatten wir einige anstrengende Asanas im Programm. Eine ganze Weile herrschte Stille. Nach einer Weile kam aus der Runde ein leises „Ufff“. Da war er. Der spontane Ausdruck dessen, was wir alle spüren konnten. Kurz und bündig vertont: „Ufff“.
Das erinnert mich an Situationen aus meiner Lehrerausbildung in denen die ganze Yogagruppe die Asana bis zum Anschlag ausführte, eine halbe Stunde ohne den kleinsten hörbaren Schnaufer. Häufig verleihen wir unseren inneren Regungen keinen Ausdruck. Wir stehen die Situation ohne die kleinste Äußerung durch. Ja, manchmal schenken wir unseren Gefühlen und Wahrnehmungen nicht einmal selbst Aufmerksamkeit.
Dabei ist das so einfach. Und es macht viele Situationen angenehmer.
Emotionen
Emotionen sind unsere täglichen Begleiter. Solange wir einen Wunsch oder eine Einstellung zu den Ereignissen um uns herum haben, begleiten uns auch Emotionen. Manchmal ganz leise und verborgen. Emotionen bestimmen viele unserer Entscheidungen und Handlungen. Das ist meistens nicht mehr so offensichtlich, wie in unserer Kindheit. Die meisten von uns haben gelernt, ihre Emotionen zu verbergen.
Aber egal, ob wir unsere Gefühle ausdrücken oder verstecken. Gefühle beeinflussen unser tägliches Leben.
Emotionen sind wichtig und haben wenigstens ab und zu unsere volle Aufmerksamkeit verdient. Wir können mit unseren Gefühlen eine Menge machen. Wir können den verborgenen Hinweis erkennen. Wir können die Gefühle ins Fließen bringen und ihre Kraft als Motivation nutzen. Wir können darüber meditieren, uns durch unsere Gefühlsblockaden durchatmen, unsere Gefühle im Sport ausleben und und und. Oft brauchen wir nur ein paar Minuten und es passt wieder im Innen und Außen.
Aber, was machst du, wenn du mitten im Alltag bist? Wenn du dir keine zehn Minuten nehmen kannst. Dann drücke deine Gefühle aus!
- Wenn die Freude da ist … einfach mal Lächeln, oder sogar Lachen … mit Geräusch.
- Wenn ein Wütchen aufkommt … einfach mal Schnauben, bevor eine erwachsene Wut draus wird.
- Wenn etwas schief geht … ein kleines „manno“. Dampf ablassen, bevor du weitermachst.
- Wenn eine Situation anstrengend ist … einfach mal Stöhnen, zum Druck rauslassen.
- Wenn etwas schön ist … auch stöhnen, aber anders.
- Wenn da ein Gefühl ist – drauf reagieren und einen zu dir passenden Ausdruck finden.
Das braucht nur einen Augenblick. Und es verbindet deine Innenwelt mit deinem Alltag. Ob das die Freude an einem beschwingten Song im Radio ist, oder der Druck, den dein nächster Geschäftstermin schon im Voraus erzeugt, oder das freie Gefühl, an einem Sommertag in den Schäfchenwolkenhimmel zu schauen.
Rauslassen!
Das muss ja kein riesiger Gefühlsausbruch sein. Aber bevor du es runterschluckst, finde deinen persönlichen Ausdruck. Und wenn du möchtest, dann bekommt deine Umgebung auch etwas von deiner gefühlten Welt mit. Immerhin sind Gefühle doch die Würze in der Suppe des Lebens.
Und wenn du schon dabei bist, dann kannst du dich auch gleich noch freuen, dass du kein Roboter bist. Du bist ein emotionales Wesen! So ein Reichtum!
Ich wünsche Dir einen Tag erfüllt mit lebendigen Gefühlen – und viel Freude beim Ausleben.
Kay Sebastian Frohnert